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Warum das Konzept der Hochsensibilität veraltet ist

Das Konzept der Hochsensibilität nach Dr. Elaine Aron ist heutzutage in aller Munde. Demnach sind etwa 15 bis 20 % aller Menschen hochsensibel. Dass dieses Konzept veraltet ist, konnte mittlerweile durch Forschung gestützt werden. Doch was bedeutet dies nun für alle „Hochsensiblen“? Darf man sich so nicht mehr nennen? Gibt es Hochsensibilität gar nicht? Ist alles falsch, was bisher an Wissen verbreitet wurde? Antworten findest Du in diesem Artikel.

Viele Menschen, mich eingeschlossen, können sich wahrscheinlich noch ganz genau an den Moment erinnern, als sie zum ersten Mal von Hochsensibilität gehört haben und erkannten, dass sie eindeutig zu dieser Menschengruppe dazu gehören. Diese Erkenntnis ist für die meisten eine enorme Erleichterung, weil man endlich versteht, warum man die Welt anders erlebt, wahrnimmt, sich häufig anders fühlt und sich daher auch anders verhält.

All das soll auf einmal nicht mehr stimmen?

Nein, ganz so ist es nicht. Der Wissenschaftler Patrice Wyrsch hat, wie viele andere Wissenschaftler, viele Jahre diesem Thema gewidmet. In der Wissenschaft spricht man allerdings nicht von Hochsensibilität, sondern von Neurosensitivität.

Was falsch bzw. veraltet am Konzept der Hochsensibilität ist

Im deutschsprachigen Raum wird davon ausgegangen, dass 20 % der Bevölkerung hochsensibel ist. Das würde bedeuten, dass man entweder hochsensibel ist oder eben nicht. Aber diese klare Kategorisierung entspricht nicht ganz der Wahrheit. Vielmehr nimmt man an, dass es sich bei der Hochsensibilität um ein Kontinuum handelt und dass sie normalverteilt ist, wie man es von bspw. der Intelligenz her kennt.

Gauß'sche Normalverteilung*

Besser gesagt, sollten wir eigentlich von einer Neurosensitivität sprechen:

Neurosensitivität ist eine Art der Wahrnehmungsfähigkeit, „die Fähigkeit Umgebungsreize zu registrieren und zu verarbeiten.“

(Michael Pluess)

Diese Wahrnehmungsfähigkeit beruht auf der Sensitivität des zentralen Nervensystems.

Das Wort Hochsensibilität impliziert, dass es bei dieser fundamentalen Persönlichkeitsausprägung nur um eine Personengruppe gehen würde. Doch dem ist eben nicht so.

Bei der Neurosensitivität teilt man in drei Sensitivitätsgruppen ein (siehe Normalverteilung):

die drei Sensitivitätsgruppen

  1. eine kleine Gruppe als gering sensitiv (Minderheit)
  2. die Mehrheit als normal sensitiv
  3. eine kleine Gruppe als hoch sensitiv (Minderheit)

Das, was die meisten Menschen also als hochsensibel betrachten, würde hier als hoch sensitiv beschrieben werden. So definiert die Wissenschaft die Facetten der Hochsensitivität.

Hochsensitivität: Die vier Sensitivitätsfacetten

(Homberg et al. 2016)

  1. Erhöhtes Bewusstsein
  2. Erhöhte Empathie
  3. Vertiefte Informationsverarbeitung
  4. Anfälliger für Überstimulation

Patrice Wyrsch weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass unter Hochsensibilität häufig nur der 4. Aspekt verstanden und damit nur die Schattenseite der Neurosensitivität gesehen wird.

Dem kann ich persönlich nicht zustimmen, da auch die DOES Definition nach Elaine Aron die anderen Facetten miteinbezieht (siehe Blogartikel).

Vielleicht kann man es aber so begründen, dass viele Menschen durch die häufige Reizüberflutung und Überstimulation erst auf ihre „Andersartigkeit“ aufmerksam werden. Die ersten drei Facetten werden erst als außergewöhnlich hoch/intensiv wahrgenommen, wenn man beginnt sich darüber auszutauschen und im Gespräch die eigene Wahrnehmung mit der der anderen vergleicht. Davor wird man sich dieser besonderen Ausprägung nicht bewusst sein.

Eine weitere Erklärung stellt das Konzept der vier Sensitivitätstypen (von Pluess) dar.

Die vier Sensitivitätstypen

Typ 1: Geringe Sensitivität wird entwickelt – es sind kaum Sensitivitätsgene vorhanden

Je mehr Sensitivitätsgene vorhanden sind, desto größer ist der Einfluss der Kindheit.

Typ 2: Generelle Sensitivität wird entwickelt – bei einer neutralen Kindheit = Sonnenseite und Schattenseite der Sensitivät sind in etwa ausgeglichen.

Typ 3: Vulnerable Sensitivität – bei einer hinderlichen Kindheit = Schattenseiten überwiegt die Sonnenseiten

Typ 4: Vantage Sensitivität – bei einer förderlichen Kindheit = Sonnenseiten überwiegt die Schattenseiten

Quelle: Patrice Wyrsch

Neben der Kindheit nehmen aber noch andere Faktoren einen Einfluss: körperliches Training (Sport) oder geistiges Training (Achtsamkeit, Yoga, Meditation…).

Wer mehr über die Forschung von Patrice Wyrsch und seinem Doktorvater wissen möchte, der findet weitere und tiefere Informationen auf seinem Blog.

Fazit: Was können wir nun daraus schließen

 

  • Hochsensibilität gilt als ein veralteter Begriff, der vielmals missverstanden wird. Bei der Neurosensitivität (umgangssprachlich Hochsensibilität) geht es eben nicht nur um Reizüberflutung und Defizite, sondern um eine erhöhte Wahrnehmung und Verarbeitung der Umgebungsreize. Dies zeigt sich in einem erhöhten Bewusstsein, einer erhöhten Empathie, einer vertieften Informationsverarbeitung und eben dieser Anfälligkeit für Überstimulation (die meist in den Vordergrund rückt).
  • Hochsensibilität ist keine Kategorie (hochsensibel/nicht hochsensibel), sondern gilt als ein Kontinuum, eine in der Bevölkerung normalverteile Persönlichkeitsausprägung von gering sensitiv bis erhöht sensitiv. Dies erklärt auch, warum viele, die sich selbst als hochsensibel bezeichnen etwas anderes darunter verstehen.
  • Wir können den Grad, wie positiv wir diese erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit erleben, beeinflussen. Auch wenn die Kindheit eine wichtige Rolle spielt, können wir gezielt daran arbeiten, sodass wir immer mehr der „Sonnenseite“ der Sensitivität erleben und immer weniger der „Schattenseite“ (z. B. durch Sport und Achtsamkeit).

Mein persönliches Fazit

Ich werde weiterhin den Begriff der Hochsensibilität verwenden, weil viele Menschen sich von diesem Begriff angesprochen fühlen. Unsere Aufgabe ist es eben zu lernen das positive an der ausgeprägten Neurosensitivität zu sehen.

So können wir zu einem besseren Verständnis in der Gesellschaft beitragen. Vor allem auch, weil der Begriff Sensibilität per se meistens negativ (als Schwäche) empfunden wird.

Also bitte nicht wundern, wenn ich weiterhin von hochsensiblen Menschen spreche.

Des weiteren finde ich es auch nicht „schlimm“, wenn man sich anfangs (nachdem man herausgefunden hat, dass Hochsensibilität auf einen zutrifft) dieser Kategorie zuordnet. Denn, wie auch in einem weiteren Blogartikel schon ausgeführt, ist es zu Beginn sehr hilfreich erst einmal alles über seine „Besonderheiten“ herauszufinden. Denn nur, wenn man einen Begriff für seine Andersartigkeit hat, findet man auch Mittel die eigenen Probleme zu lösen.

Wichtig ist es nur, dass Du Dich nicht in dieser Schublade ausruhst, sondern lernst damit umzugehen, sodass Du irgendwann gar nicht mehr die Notwendigkeit verspürst Dich als hochsensibel zu beschreiben.

Was hältst Du von diesen Kategorisierungen und Unterscheidung der Begrifflichkeiten?

Schreib mir gerne in den Kommentaren, was Du davon hältst.

 

*Quelle: https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/normalverteilung-39769/version-190748

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3 Responses

  1. Vielen Dank Lisa. Ich finde Deinen Artikel sehr wertvoll.
    Ich sehe es ähnlich wie Du. Den Begriff HSP werde auch ich weiterverwenden, da er sich inzwischen eingebürgert hat und ich vermute, dass sich Nicht-Akademiker oder Wissenschaftler sich lieber mit dem Begriff Hochsensibel identifizieren.
    Bevor ich über Eileen Aaron und ihrer Definition von Hochsensibel gestolpert bin habe ich mich in einem Buch wiedergefunden, das von “Sensory Intelligence” spricht. (von Annemarie Lombard). Sie beschreibt, dass alle sensorischen Wahrnehmungskanäle , z.B. sehen, hören, schmecken, fühlen auf “laut” oder “leise” gestellt sein können und sich damit die unterschiedlichsten Kombinationen ergeben. Wobei sich die Kombination in den meisten Bereichen auf einer Seite – empfindlich oder unempfindlich- häufen. Demnach sind auch die Bedürfnisse nach Stimulation unterschiedlich gewichtet. Es kann z.B. sein, dass jemand auditiv sehr sensitiv ist und schnell überstimuliert aber z.B. im Hautkontakt auf normalem Level wahrnimmt und somit dort eine höhere Stimulationstoleranz hat.
    Das macht für mich sehr viel Sinn und deckt sich mit meinen ganz persönlichen Beobachtungen.
    Dies Beispiel nur zur Verdeutlichung:
    Ein Sohn von mir hat eine extrem hohe Empfindsamkeit in seinen Händen und kann feinste Strukturen fühlen. In diesem Bereich gerät er sehr schnell in die Überstimulation. Auditiv ist er nicht sehr empfindlich und kann viele Reize vertragen. Ein anderer Sohn ist auditiv sehr reizempfänglich und sensitiv was sich besonders in der Unterscheidung und Verarbeitung zeigt und natürlich zur schnelleren Reizüberflutung führt. Beide sind emotional sehr sensibel und emphatisch. Nachdem was ich sonst lese scheint letzteres offenbar allen HSP zu Grunde zu liegen.

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